Just for fun – 42,195km mit dem Handbike
ein Artikel von Sophie Stirl

Holger Oppermann ist querschnittsgelähmt und übergewichtig. Trotzdem startet er Jahr für Jahr bei Marathons in Düsseldorf, Hamburg und Berlin

Als ich am Mittwoch, den 29.Februar 2012 vor dem Café „Schwan“ am Burgplatz stehe ist es angenehm kühl. Nur wenige Minuten nach meinem Eintreffen kommt mir Holger Oppermann mit seinen Handbike entgegen. Von Geburt an ist er querschnittsgelähmt und seit einigen Jahren übergewichtig.

Im Jahre 2008 habe ich Holger das erste Mal beim Düsseldorfer Marathon gesehen. Damals stand ich, wie viele andere Düsseldorfer, mit meiner Familie am Straßenrand und feuerte die Läufer, Inlineskater, Handbiker und Einradfahrer an.
Holger fiel vor allem durch seinen Vorbau (Adaptiv-Handbike) für seinen Rollstuhl auf, den er anstatt eines Rennhandbikes nutzt und durch  seine Übergewichtigkeit.

Das Bild ging mir nicht mehr aus dem Kopf, also beschloss ich diesen Mann zu treffen und seine Motivation zu hintergründen.

Letztes Jahr bin ich dann selber mitgefahren – als Einradfahrerin.

Das Handbike lässt er vor dem Café direkt neben der Tür stehen, nachdem er die schwarzen Fahrradtaschen vom Lowrider abgemacht hat.

„Ich fahre auch im Alltag sehr gerne mit dem Handbike“, erklärt er mir später. Praktischer sei es, schließlich ist man damit schneller unterwegs und dadurch, dass er nur einen Vorbau hat, kann er auch ganz leicht wieder seinen normalen Rollstuhl nutzen.

Auf die Frage hin, wieso er keinen Rennrollstuhl hat, antwortet er mir, dass er diesen Sport nur als Hobby betreibt und er dafür einfach zu teuer ist. Außerdem wäre er sich nicht sicher, ob er sich aus eigener Kraft aus dem Rennrollstuhl in seinen Rollstuhl heben könnte. Er ist gerne selbstständig.

Für seinen ersten Marathon im Jahre 2007 in Berlin benötigte er 2 Stunden 32 Minuten und 33 Sekunden. Eine beachtliche Zeit, dafür dass er weit entfernt von einem Leistungssportler ist. Seitdem hat er weitere sieben Mal an einem Marathon teilgenommen.

Ich frage ihn, wo denn der Marathon am meisten Spaß macht, worauf er zugeben muss: „Beim Berliner Marathon ist die Stimmung deutlich am besten. Es sind viel mehr Leute anwesend von denen man angefeuert wird, als beim Düsseldorfer Marathon.“

Das hindert ihn aber auf keinen Fall daran ein weiteres Mal am Düsseldorfer Marathon teilzunehmen.

Dafür trainiert er jetzt bereits am Rhein. Mit seinem Physiotherapeuten möchte er außerdem seine Rückenmuskulatur zuvor noch einmal
stärken.

Für ihn sind die anderen Handbiker keine Konkurrenz. „Ich fahre nur aus Spaߓ, sagt er. Ihm macht es nichts aus wenn er auf dem letzten Platz landet. Vielmehr bestrebt er das Ziel der 42,195km und versucht seine Bestzeit (2 Stunden 27 Minuten und 38 Sekunden aus dem Jahre 2009) zuunterbieten.

Er erzählt mir, dass er relativ „unbehindert“ in Dinslaken aufwuchs. Dort besuchte er eine Regelschule und später das Gymnasium. Dies musste er aufgrund seiner Behinderung wechseln, denn nur an einer anderen Schule konnte ein Aufzug für in gebaut werden. Durch seinen Schulwechsel lernte er allerdings auch mehr auf Menschen zuzugehen und nicht zu warten, ehe jemand ihn ansprach.

Später studierte er dann in Bochum und spielte dort mit einem Rollstuhlbasketballteam in der 2. Bundesliga.

Neben dem Handbiken spielt er gerne mit seiner Coverband Hörsturz, mit der er zusammen mit Kollegen von der Stadtverwaltung auf Geburtstagen, Hochzeiten und Veranstaltungen von Vereinen und Parteien zum Wahlkampf auftritt. Jedes Jahr organisieren sie ein eigenes Festival unter dem Namen Just4Fun – Festival.

„Ich würde auch gerne einmal von Berlin an die Ostsee fahren.“ Er mit dem Handbike und sein Freund mit dem Fahrrad. Doch bisher ist
dies nur ein Plan.

Holger reist, gerne allerdings ist es für ihn meistens schwer eine passende Reisebegleitung zu finden.

In einem Blog berichtet er mit einem Freund, welche Länder und Städte besonders Rollstuhlgerecht ist. Gerne fährt er nach Sevilla,
Spanien, denn dort ist es Barrierefreier. Somit kann er sich selbstständiger bewegen.

Er erklärt mir, dass manche Normen, die in Deutschland festgelegt sind, nur wenig nutzen. In seiner Wohnung zum Beispiel wurde sein Waschbecken erst auf Normhöhe montiert, ehe man feststellen musste, dass er dieses aus dem Rollstuhl nur schwer erreich konnte.

Nach unserem Gespräch verabschieden wir uns, denn er ist noch verabredet – zum Training für den Marathon.

Spätestens beim Düsseldorfer Marathon am 29.April 2012 werde ich ihn dann wiedersehen und erfahren, ob er seine Bestzeit dieses Jahr überbieten konnte.


Sophie ist 16 Jahre alt, ist mit Ihrer Familie jedes Jahr am Düsseldorfer Marathon beteilgt und hat mich bereits mehrere Male dort starten sehen.Seit letztem Jahr startet sie selbst bei den Einradfahrern.

Aufgrund Ihrer Bewerbung als Nachwuchsjournalistin bei den Paralympics in London in diesem Jahr, hat sie mich um ein Interview gebeten um darüber einen Bericht für die Jury zu schreiben. Hier ist ein Link zum Wettbewerb.

Sophie währe sehr gern zu den Paralympics gefahren, doch leider ist das Los nicht auf sie gefallen.
Aber ich finde, dass es ein sehr gelungener Artikel geworden ist, auch wenn ich selbst natürlich das Thema „Übergewicht“ ausgeblendet hätte, aber beim investigativen Journalismus gehört das natürlich dazu 😉 Außerdem habe ich seit Januar schon 7 Kilo abgenommen – weitere Kilios folgen! 🙂

Erst vor kurzem hat Sophie ein 2 wöchiges Praktikum an der LVR – Johann-Heidsiek-Schule in Gerresheim gemacht. Es hat mir sehr viel Spaß  gemacht mit den Kindern zu arbeiten, weshalb sie ihre Erfahrungen gerne auch bei Erwachsenen ausweiten würde.

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